Betroffene Kinder

Julian, geboren 2009 mit 4 Wochen geschüttelt

julian2
© Tim Müller

Julian wurde gesund geboren. Schon vor der Geburt warnte sein Papa das Jugendamt davor, dass es zu Komplikationen kommen wird im Haushalt der Mutter. Auch nach der Geburt warnte die Klinik das Jugendamt. Die Mutter bekam eine Familienpflegerin an die Seite gestellt. Kurz nach der Geburt lernte sie ihren neuen Lebenspartner kennen. 4 Wochen nach Julians Geburt, wurde er misshandelt und geschüttelt.

4 Tage nach dem Vorfall erhielt Papa einen Brief von der Polizei, in dem stand, dass sein Sohn misshandelt wurde. Er ging mit seiner Frau sofort zum Jugendamt um näheres zu erfahren. Jedoch saß die Jugendamtsmitarbeiterin mit Tränen in den Augen vor ihm und meinte wie schlimm alles ist, aber sie dürfe keine Auskunft geben. Papa dachte in dem Moment, dass Julian bei den Engeln ist. Jedoch konnte seine Frau ihn beruhigen. Bei der Polizei erfuhr er, dass Julian schwere Hirnblutungen hat und in der Uniklinik Dresden Notoperiert wurde. Die Mutter war unerreichbar für ihn. 3 Monate durfte er seinen Sohn nicht sehen, weil es die Mutter verboten hat! Erst dann wurde ihr die Gesundheitsfürsorge entzogen und im Gleichzug durfte Papa Julian wieder sehen. Am gleichen Tag fuhren er und seine Frau zu Julian und durften ihn endlich wieder in ihre Arme schließen!

Julian ist nun schwerstbehindert. Er wird nie sehen, sprechen, sitzen, stehen oder gehen können. Es ist ein Wunder, dass er überlebt hat. Julian erlitt schwere Hirnblutungen, Netzhautnlutungen und hatte etliche Hämatome. An dem Tag der Misshandlung war die Familienpflegerin sogar noch da und wunderte sich, warum Julian so “zitterte” und bemerkte auch ein frisches Hämatom am Mundwinkel. Jedoch unternahm sie nichts! Erst Stunden später wurde Julian ins Krankenhaus gefahren und nochmals Stunden später wurde er endlich nach Dresden in die Uniklinik geflogen!

2 Jahre musste Julians Papa um das alleinige Sorgerecht kämpfen! Der Lebensgefährte der Mutter wurde nach einem Jahr aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Die Mutter wurde nach 4 Jahren zu 2 Jahren auf Bewährung verurteilt, ging jedoch in Berufung. In dem Berufungsverfahren wurde schließlich auch sie aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Für Julian wird es nie Gerechtigkeit geben! Nur weil die Gerichtsmedizinerin sich nicht festlegen wollte, wann Julian das Schütteltrauma erlitt und das “Zittern” nicht ausreichte als Beweis. So wie Julian geht es vielen Kindern. Auch sie werden nie Gerechtigkeit erfahren, weil in Deutschland die Täter mehr geschützt werden, als die Opfer!

Julian wird von seiner Stiefmama liebevoll gepflegt. Und bekommt von seiner Familie alles was er braucht. Er wird immer unter dem Schütteltrauma leiden und keiner weiß, wie lange er dies überleben wird. Doch mit seinem Papa, seiner Mama und seinen zwei jüngeren Brüdern kann er trotz allem sein Leben genießen!

www.facebook.com/GerechtigkeitFurJulian

 


 Karsten , geboren 2008 mit 2 Jahren und 3 Monaten geschüttelt

Das ist die Geschichte von Karsten. Er starb mit zwei Jahren und drei Monaten nach tagelangem Martyrium, am 14. Juli 2010, in der Jenaer Klinik an den Folgen eines Schütteltraumas.

Karsten lebte mit seiner Mutter alleine bis, wenige Wochen vor seinem Tod, seine Mutter einen Mann kennenlernte und dieser dann bei den beiden einzog. Der neue Lebensgefährte war der Meinung, Karstens Mutter wäre in der Erziehung zu nachsichtig und kündigte an, nun die Erziehung von Karsten übernehmen zu wollen. Dabei fühlte er sich zunehmend überfordert und Karstens Mutter sagte später aus, ihr Sohn hätte ihren Lebensgefährten „auf 180 gebracht“.

Drei Tage lang soll Karsten den Misshandlungen ausgesetzt gewesen sein, ohne dass seine Mutter eingriff. Karsten bekam Schläge wenn er nicht essen oder schlafen wollte. Ihm wurden Haare ausgerissen, er wurde in kaltes Wasser gesetzt oder am Unterleib verletzt. Aufgrund der Vielzahl an blauen Flecken ging die Mutter mit ihm tagelang nicht mehr raus.

Am Tag vor seinem Tod wurde Karsten wieder mehrmals geschlagen, weil er nicht schlafen wollte. Karstens Mutter will nur gesehen haben, wie ihr Lebensgefährte ihren Sohn einmal kräftig schüttelte. Sonst hätte sie lediglich Schläge gehört. Erst als ihr Lebensgefährte Karsten an den Füßen packte und ihn kopfüber so heftig hin und her schleuderte, dass er mit dem Kopf an das Bettgitter prallte, alarmierte die Mutter gegen Abend den Notarzt. Karsten soll laut Aussage seiner Mutter bis zu diesem Zeitpunkt noch ansprechbar gewesen sein.

Als Karsten von den Notärzten aus dem Haus getragen wurde, wimmerte er nur noch.

Mit einem Rettungshubschrauber wurde Karsten in die Uniklinik Jena geflogen. Die Ärzte bemühten sich stundenlang vergeblich das Leben des kleinen Jungen zu retten. Am Nachmittag des nächsten Tages starb Karsten an seinen schweren Verletzungen.

Bei der Obduktion wurden zahlreiche Verletzungen am Körper von Karsten festgestellt, welche ihm bis mindestens drei Tage vor seinem Tod zugefügt worden waren. Unter anderem hatte er Verletzungen an Stirn, Kopf, Augen, Hämatome an beiden Ohren, im Gesicht, im Mund, an den Schultern, der Brustwirbelsäule, von den Lenden abwärts das gesamte Gesäß einnehmend und an den Hoden.

Gerichtsurteil:
Karstens Mutter wurde wegen Körperverletzung durch Unterlassen zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Ihr Lebensgefährte wurden wegen Totschlags und Misshandlung von Schutzbefohlenen zu zwölf Jahren Haft verurteilt.

Beide haben gegen die Urteile Revision eingelegt, welche jedoch der BGH verworfen hat. Somit ist das Urteil des Landgerichts rechtskräftig.

 http://schutzlos-wehrlos.de/karsten/


Lena †, geboren 2012 mit 7 Monaten geschüttelt

Das ist Lenas Geschichte. Sie war erst sieben Monate alt, als sie an den Folgen eines schweren Schütteltraumas, am 13. September 2012, in Berlin starb.

Lena und ihre Mutter waren, erst kurz vor Lenas Tod, in eine Mutter-Kind-Einrichtung eingezogen. Lenas Vater besuchte die beiden regelmäßig in der Einrichtung. Immer wieder fielen den Betreuern Spuren von Misshandlungen an Lenas Körper auf. Nachdem sich der Verdacht der Misshandlung verhärtete, gab es Absprachen mit dem Jugendamt über regelmäßige Körperkontrollen bei Lena. Auch sollte Lena nur noch unter Aufsicht von Betreuern mit ihrem Vater zusammen sein dürfen und dieser sollte auch nicht mehr über Nacht in der Einrichtung bleiben.

Am 05. September 2012 war Lena, trotz der Absprachen und Auflagen des Jugendamtes gegenüber der Mutter-Kind-Einrichtung, mit ihrem Vater unbeaufsichtigt. Gegen Abend alarmierte dieser einen Notarzt, weil Lena nicht mehr atmete. Der eintreffende Notarzt konnte Lena noch reanimieren. Im Krankenhaus ergaben Ultraschalluntersuchungen, dass Lena heftig geschüttelt worden ist, worauf sie einen Hirntod erlitt.

Am 13. September 2012 entschieden dann die Ärzte, die lebenserhaltenden Maßnahmen zu beenden.

Als Lenas Eltern von der Polizei abgeholt wurden, ließen sie es sich gerade mit einer Flasche Sekt gut gehen und das obwohl ihr kleines Baby gerade einen Tag zuvor gestorben war.

Die Obduktion an Lena ergab später, dass das kleine Mädchen ebenfalls alte Arm- und Rippenbrüche aufwies. Sie muss also bereits unter Aufsicht der Behörden regelmäßig schwer misshandelt worden sein.

Da Lena noch leben könnte, hätte sich die Einrichtung an die Auflagen des Jungendamtes gehalten und Lena nicht unbeaufsichtigt mit ihrem Vater gelassen, wurden in erster Konsequenz zwei Mitarbeiter der Einrichtung entlassen. Beide Frauen verweigerten jedoch eine Stellungnahme. Auch kein Wort des Bedauerns war von ihnen zu hören.

Gerichtsurteil:
Lenas Vater wurde aufgrund seiner Minderjährigkeit zum Tatzeitpunkt zu einer vierjährigen Jungendhaftstrafe wegen Totschlag verurteilt.

Lenas Mutter war ebenfalls angeklagt, da sie ihr Kind immer wieder mit ihrem Lebensgefährten alleine lies, obwohl sie von den Misshandlungen wusste. Lenas Mutter wurde jedoch frei gesprochen.

Weitere Konsequenzen für die Mutter-Kind-Einrichtung und die beiden Mitarbeiterinnen sind nicht bekannt.

 http://schutzlos-wehrlos.de/lena/


Jason †, geboren 2008 mit 18 Monaten geschüttelt

Das ist die Geschichte des kleinen Jason. Er wurde nur achtzehn Monate alt. Er starb, am 22. September 2009, in Dessau-Rosslau an einem Schütteltrauma.

Jason lebte mit seiner Mutter und ihrem Lebensgefährten zusammen. Der neue Lebensgefährte hatte bereits Vorstrafen, letztmalig war er wegen Totschlags angeklagt, wurde aber im Sommer 2009, nur wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer achtmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt.

Am 13. Juli 2009 hatte Jasons Mutter ihren kleinen Sohn wohl das erste Mal mit Schlägen und Bissen gequält. Das Jugendamt war bereits bei der Familie vorstellig, da Jason schon einmal mit schweren Hämatomen ins Krankenhaus eingeliefert worden ist. Bei den Kontrollbesuchen konnte das Jugendamt jedoch keine Gefahr für Jason erkennen. Auch, dass der Lebensgefährte bereits wegen Körperverletzung vorbestraft war, stellte wohl keine Gefährdung für Jason dar.

Am 16. September 2009 war Jason mit dem Lebensgefährten seiner Mutter für eine halbe Stunde ganz alleine. Der Lebensgefährte war anscheinend so genervt von Jasons lauten Schreien, dass er ihn heftig schüttelte und gegen sein Kinderbettchen schleuderte. Anschließend informierte er den Notarzt.

Jason hatte Blutungen im Augeninneren, ausgedehnte Hautunterblutungen im Gesicht, abgerissene Brückenvenen und schwere Blutungen unter der Hirnhaut erlitten. Trotz zweier Notoperationen erlag Jason sechs Tage später im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen.

Der Lebensgefährte erzählte im Laufe der Ermittlungen immer wieder neue Geschichten, wie es zu den Verletzungen von Jason gekommen sein soll. Einmal habe er Jason aus seinem Bett genommen und ihn aufs Sofa gesetzt. Jason soll dann plötzlich auf der Couch umgefallen sein und die Augen verdreht haben. Dann sagte er ein anderes Mal, er habe Jason doch einmal kurz geschüttelt und dann versehentlich fallen gelassen.

Gerichtsurteil:
Jasons Mutter, welche wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen angeklagt war, wurde auf Grund der Unglaubwürdigkeit der Hauptzeugin freigesprochen. Das Urteil ist rechtskräftig.

Der Lebensgefährte wurde im Dezember 2011, nach einem fast 20 Monate andauernden Prozess, vom Vorwurf des Totschlags an Jason frei gesprochen. Die Tat konnte ihm nicht zweifelsfrei zugeordnet werden. Ein rechtsmedizinisches Gutachten hatte zwar als Todesursache ein Schütteltrauma festgestellt, aber wurde der Tatzeitraum ausgeweitet, sodass neben dem Lebensgefährten auch ein anderer Täter hätte in Frage kommen können.

Dieser Freispruch hatte auch Auswirkungen auf die Bewährungsstrafe, die im Sommer 2009 verhängt worden war. Wäre der Lebensgefährte im ersten Prozess schuldig gesprochen worden, wäre er innerhalb der Bewährung straffällig geworden und hätte eine Haftstrafe antreten müssen. Da ihm allerdings die Schuld an Jasons Tod nicht nachgewiesen werden konnte, wurde ihm die Haft erlassen.

Gegen den Freispruch legte die Staatsanwaltschaft jedoch Revision ein. Der Bundesgerichtshof hob den Freispruch auf.

Im zweiten Prozess wurde der Lebensgefährte, im Mai 2013, wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu vier Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt.

http://schutzlos-wehrlos.de/jason-2/


Lea-Sophie †, geboren 2010 mit 2 Jahren geschüttelt und misshandelt

Das ist die Geschichte von Lea-Sophie. Sie wurde nur zwei Jahre alt. Sie starb, kurz vor Weihnachten 2012, nach brutalster Misshandlung an einer Hirnschwellung.

Lea-Sophie war ein gesundes und altersgerecht entwickeltes Kind. Sie lebte mit Ihrer Mutter und deren Lebensgefährten in einer Wohnung in Köln-Chorweiler. Für Lea-Sophie war der Lebensgefährte ihr Papa. Lea-Sophie wurde nicht vernachlässigt, man kümmerte sich um sie. Nach zwei Jahren allerdings trennten sich Mutter und Lebensgefährte voneinander.

Irgendwann lernte Lea-Sophies Mutter einen neuen Mann kennen, dieser zog bei den beiden in die Wohnung ein. Lea-Sophie hatte, nicht ohne Grund, Angst vor dem neuen Lebensgefährten. Oft war Streit aus der Wohnung zu hören und Nachbarn verständigten mehrmals die Polizei. Zunehmend war der neue Lebengefährten mit Lea-Sophie überfordert und schlug sie.

Zwei Monate nachdem der neue Lebensgefährte in die Wohnung eingezogen war, rastete er an einem Montag, den 17. Dezember 2012, aus einem nichtigen Anlass, aus. Er schlug der kleinen Lea-Sophie bis zu 10 Mal mit der Faust ins Gesicht, so dass ihr Kiefer zertrümmert wurde. Er schüttelte sie und zog sie so stark an den Haaren, dass sich ihre Kopfhaut löste. Lea-Sophies Mutter alarmierte, nach dieser brutaler Attacke auf ihr Kind, nicht den Notarzt.

Fast drei Tage dauerte Lea-Sophies Todeskampf, bis sie am Donnerstag an den Folgen ihrer schweren Verletzungen starb. Nachdem Lea-Sophie, noch mindestens 12 Stunden, tot in ihrem Bett gelegen hatte, fassten ihre Mutter und der Lebensgefährte den Entschluss, einen Sexualdelikt vorzutäuschen. Sie zogen das kleine Mädchen aus, warfen ihre Kleidung in einen Müllcontainer, steckten Lea-Sophie in einen Einkaufstrolley und entsorgten sie, in einem Waldstück, am See.

Am Freitag gab Lea-Sophies Mutter dann eine Suchmeldung bei der Polizei auf. Ihre Tochter sei angeblich auf einem Spielplatz, den beide besuchten, spurlos verschwunden.

Um 14 Uhr wurde von der Polizei ein Großalarm ausgelöst. Zu diesem Zeitpunkt war Lea-Sophie 1 1/2 Stunden vermisst. Hunderte Beamte und ein Spürhund, sowie ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera, wurden für die Suche eingesetzt. Lea-Sophies Mutter wurde in dieser Zeit stundenlang von den Beamten befragt.

Lea-Sophies Mutter wusste genau, dass die Beamten ihre Tochter nicht lebend auffinden würden.

Um 22.10 Uhr fanden Reporter, in einem Müllcontainer, beim Wohnhaus von Lea-Sophie, einen blauen Sack. Dieser enthielt lila Stiefel mit Herzchen, Kleidung, ein Kinder-Kopfkissen und eine blutverschmierte Hasen-Spieluhr. Lea-Sophies Mutter hatte bei der Befragung durch die Beamten angegeben, dass ihre kleine Tochter an diesem Tag lilafarbene Stiefel getragen hatte.

Um 22.30 Uhr wurde Lea-Sophies Leiche, ca. 1 km von ihrem Wohnort, in dem Waldgelände am See gefunden.

Laut Obduktion erlitt Lea-Sophie eine hochgradige Schwellung des Hirngewebes. Der dadurch entstandene Druck auf das Atemzentrum war die Ursache für ihren Tod. Aufgrund des Zustandes der Hirngefäße, nach dem Angriff auf Lea-Sophie, war ein schneller Todeseintritt unwahrscheinlich.

Wäre Lea-Sophie in den ersten zwei Tagen medizinisch versorgt worden, hätte für sie eine Überlebenschance bestanden.

Beisetzung:
Im Februar 2013 wurde Lea-Sophies Asche in einer rosa Urne, auf dem Bonner Nordfriedhof, beerdigt. Zuvor war bekannt geworden, dass Lea-Sophie, sollte ihr leiblicher Vater nicht aufgefunden werden können, um die Kosten für die Beerdigung zu übernehmen, in einem Armengrab beigesetzt werden soll. Darüber waren viele Kölner so entsetzt, dass sie sich anboten, die Kosten zu übernehmen.

Die Mutter von Lea Sophie durfte nicht an der Beerdigung teilnehmen. Das hatte die Staatsanwaltschaft verboten.

Gerichtsurteil:
Lea-Sophies Mutter wurde wegen Totschlags durch Unterlassen zu sieben Jahren Haft verurteilt.
Der Lebensgefährte wurden wegen Totschlags zu zwölf Jahren Haft verurteilt.

 http://schutzlos-wehrlos.de/leasophie/


Timo †, geboren 1999 mit 15 Monaten geschüttelt

Das ist die Geschichte des fünfzehn Monate alten Timo. Er starb am 14. Dezember 2000 in Köln an den Folgen schwerer Misshandlungen.

Timo lebte mit seiner Mutter, seiner zweieinhalbjährigen Schwester sowie dem neuen Lebensgefährten seiner Mutter zusammen. Am 08. November 2000 wurde das Jugendamts durch die Remscheider Kinderklinik auf die Familie aufmerksam, da Timos Schwester dort in Behandlung war. Die Ärzte hegten auf Grund der Verletzungen den Verdacht, dass Timos Schwester misshandelt worden war.

Bei einem Termin mit Timos Mutter am 10. November 2000 wurde diese seitens einer Jugendamtsmitarbeiterin darüber aufgeklärt, dass sie ihre Kinder vor ihrem neuenen Lebensgefährten zu schützen habe, denn der Verdacht lag nahe, dass dieser für die Verletzungen von Timos Schwester verantwortlich war. Timos Mutter willigte ein, gegen ihren Lebensgefährten Anzeige zu erstatten und versicherte der Jugendamtsmitarbeiterin, sie würde ihre Kinder zur Sicherheit für die nächsten Tage in Obhut der Oma geben.

Drei Tage später wurde der Lebensgefährte vom Jugendamt über den bestehenden Verdacht der Kindesmisshandlung informiert. Der Lebensgefährte wies jedoch alle Schuld von sich und drohte seinerseits mit der Beauftragung eines Anwalts.

Am 15. November 2000 suchte das Jugendamt Timos Mutter daheim auf. Laut Jugendamt habe sich die Wohnung in einem sauberen und ordentlichen Zustand befunden. Timos Mutter habe versichert, dass ihrerseits kein Kontakt mehr zum Lebensgefährten bestünde. Timo ging es gut, seine Schwester schlief zu diesem Zeitpunkt.

Bei einem erneuten Hausbesuch, sieben Tage später, teilte die Mutter dem Jugendamt mit, Timo und seine Schwester könnten nun von der Oma und ihrer Schwester betreut werden. Allerdings wurde am 06. Dezember 2000 ein Mitarbeiter des Jugendamtes abermals durch die Kinderklinik über den Verdacht informiert, Timos Schwester könnte misshandelt worden sein. Da Timos Schwester nicht in der Klinik behalten wurde sondern ihrer Mutter wieder mitgegeben worden ist, wurde die Familie noch einmal vom Jugendamt aufgesucht. Jedoch blieb die Wohnungstür für die Mitarbeiter des Jugendamtes verschlossen worauf man sie telefonisch zu erreichen versuchte und direkt zum Jugendamt bestellte.

Bei diesem Termin wurde festgestellt, dass Timos Schwester zahlreiche blaue Flecken aufwies. Daraufhin wurde sie sofort ins Krankenhaus gebracht. Timos Mutter gab an, ihr kleines Mädchen hätte sich diese Verletzungen beim nächtlichen Möbelrücken zugezogen. Ein Arzt sagte allerdings später aus, Timos Schwester sei mit blauen Flecken nur so übersät gewesen und er vermutete, sie sei gezielt gequält worden. Weiterhin sei Timos Schwester schwer traumatisiert gewesen, sie wies keinerlei Mimik auf, lachte und spielte nicht, sie hatte einfach nur Angst.

Timos Schwester stand jetzt unter dem Schutz des Jugendamtes, doch Timo wurde vergessen. Bis er am 09 . Dezember 2000 durch den Lebensgefährten so brutal misshandelt wurde, dass er gegen Mitternacht in ein Krankenhaus eingeliefert worden ist. Timo war bewusstlos, hatte stark erweiterete Pupillen und musste reanimiert werden, bevor er ins Remscheiderer Klinikum gebracht wurde. Nach erfolgreicher Reanimierung wurde Timo, der sich in aktuer Lebensgefahr befand, nach Köln gebracht. Dort verstrab er am 14. Dezember 2000 an einer Gehirnblutung, vermutlich ausgelöst durch ein Schütteltrauma.

Nachtrag:
Seitens des Jugendamtes wurde keine Erklärung abgegeben, warum bei Timo keine Schutzmaßnahmen ergriffen worden sind. Als Konsequenz wurde durch die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen zwei Mitarbeiter des Jugendamtes eröffnet.

Über den Prozess sowie das ergangene Urteil sind keine Informationen mehr vorhanden.

http://schutzlos-wehrlos.de/timo/


Nahla †, geboren 2011 mit 5 Monaten geschüttelt

Dies ist die Geschichte der fünf Monate alten Nahla. Nahla wurde im Oktober 2011 geboren, ihr Herz hörte am 25. März 2012 um 11.45 Uhr auf zu schlagen. Sie starb an schwersten Kopfverletzungen.

Laut den Ermittlern handelte es sich um abartige Gewalt, welche man sich kaum vorstellen könne.

Nahla lebte mit ihren Eltern, welche sich 2009 kennengelernt hatten, in Berlin-Pankow. Die Rollenverteilung von Nahals Eltern wurde als klassisch beschrieben. Beide Eltern waren berufstätig, doch nach der Geburt von Nahla, welche ein absolutes Wunschkind gewesen sei, blieb die Mutter daheim. Ihr Vater war Prokurist in einer Technologiefirma und der Polizei auf Grund von Straßenverkehrs- und Drogendelikten einschlägig bekannt. Bis Februar 2012 hatte Nahlas Eltern auch reichlich Unterstützung von einem Kindermädchen und einer Putzfrau. Beide waren insgesamt 27 Stunden in der Woche für die Familie tätig. Da das Kindermädchen und die Putzhilfe allerdings im März 2012 ausfielen, suchten die Eltern kurz vor Nahlas Tod noch per Internetanzeige nach einer flexiblen Ersatz-Kinderbetreuung für ihre kleine Tochter, die vor allem am Wochenende die Betreuung übernehmen sollte. Nahlas Vater sagte über seine Frau, dass diese ihre Zeit viel im Nagelstudio, Solarium und für Shopping investierte.

Nach Nahlas Geburt stattete der Jugendgesundheitsdienst den Eltern einen Besuch ab, so wie dies der Gedundheitsdienst Berlin überlicherweise bei allen Eltern nach der Geburt eines Kindes tut. Zwei Mal versuchte der Jugendgesundheitsdienst erfolglos die Eltern in der Wohnung anzutreffen und diese über den medizinischen Service und weitere Hilfsangebote in ihrem Bezirk zu informieren.

An einem Montag, den 19. März 2012 war Nahlas Vater mit seiner kleinen Tochter alleine zu Hause, da die Mutter der Sonnenbank wieder einen Besuch abstatten wollte. In der Nacht zum Dienstag, wäre Nahals Muttter, so sagte der Vater aus, ganz schön sauer gewesen, da die kleine Nahal wohl sehr unruhig war. Auch am nächsten Tag wären sie mit Nahla noch unterwegs gewesen, hätten aber an ihrer Tochter keine Verletzungen bemerkt. Anders lauten die Aussagen der Mutter, welche Nahla nach ihrer Heimkehr am Montag, den 19. März 2012 bereits mit Verletzungen vorgefunden hätte.

Fest steht jedoch, dass Nahla in der Nacht zum Mittwoch, den 21. März 2012 in die Rettungsstelle des Helios-Klinikum Buch gebracht worden ist. Die kleine Nahla röchelte nur noch und war nicht mehr ansprechbar. Nahlas linke Gesichtshälfte zeigte schwere Verletzungen auf und war blutunterlaufen. Zudem wurde eine massive Hirnschwellung sowie Schädelbrüche diagnostiziert, ausgelöst durch äußere Gewaltanwendung. Ein Sturz von der Wickelkommode oder vom Arm, welchen die meisten Eltern bei solchen Verletzungen als Ausrede angeben, wurde ausgeschlossen. Auf Grund der massiven Verletzungen von Nahla mussten die Mitarbeiter der Kinderstatioin, welche fünf Tag um das Leben des kleinen Mädchens kämpften, angeblich psychologisch betreut werden. Am Sonntag, den 25. März 2012 um 11.45 Uhr verloren die Ärzte den Kampf um das Leben der kleinen Nahla, sie konnte trotz aller Bemühungen nicht gerettet werden.

Nach intensiven Vernehmungen beider Eltern durch die Beamten des LKA 125, geriet der Vater zunehmend in Verdacht. Gegen den Vater erging sodann Haftbefehl, er wurde in Untersuchungshaft gebracht. Die Anklage geht davon aus, dass der Vater seine kleine Nahla geschlagen, geschüttet und gegen eine Wand oder einen Gegenstand gestoßen habe. Ihm wird Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen.

Nahlas Vater gab an, es seien haltlose Vorwürfe.

Er beteuerte, dass er Nahla am 20. März 2012 röcheln im Bett aufgefunden habe und er und seine Frau haben ihre kleine Tochter sodann ins Klinikum Buch gebracht. Er ist der Überzeugung, man wollte ihm etwas anhängen. Indirekt beschuldigte er auch Nahlas Mutter.

Nachtrag:
Während des Prozesses, über den es keine weiteren Informationen gibt, wurden Nahlas Eltern zu Gegnern und trennten sich.

Wer sich nun für den Tod der kleinen Nahla zu verantworten hat, über den Ausgang des Prozesses und ein ergangenes Gerichtsurteil sind keine Pressemeldungen auffindbar. Hierzu wird aber weiterhin recherchiert.

http://schutzlos-wehrlos.de/nahla/


Alexander †, geboren 2009 mit 5 Wochen geschüttelt

 “In dubio pro reo” – Ein Kind wurde getötet und niemand muss hierfür die rechtlichen Konsequenzen tragen.

Das ist Alexanders Geschichte. Alexander wurde im Alter von fünf Wochen so stark geschüttelt, dass er drei Monate später an den Folgen verstorben ist.

Alexanders Eltern lebten in einer Wohnung im nordrhein-westfälischen Castrop-Rauxel. Alexanders Mutter befand sich gerade in der Ausbildung, als sie bemerkte, dass sie schwanger ist. Für die Eltern kam die Schwangerschaft unpassend und es wurde über eine Abtreibung nachgedacht.

Schließlich kam der kleine Alexander doch zur Welt nur um sie kurze Zeit später wieder zu verlassen.

Es war am Abend des 10. November 2009, Alexander war gerade einmal fünf Wochen alt. Er wurde aus seinem Bett geholt und massiv geschüttelt, sein Kopf schlug so stark hin und her, dass er dabei wohl auf einem harten Gegenstand auftraf.

Kurz nach Mitternacht informierten die Eltern den Notarzt. Alexander, der vom eintreffenden Notarzt nur noch leblos aufgefunden werden konnte, wurde in die Dattelner Kinderklinik eingeliefert. Alexander hatte tellergroße Hämatome am Rücken und auch die Rückenvenen waren abgerissen. Zudem hatte er schwerwiegende Hirnblutungen. Die Ärzte kämpften drei Monate lang um das Leben von Alexander doch die Verletzungen waren so schlimm, das sein Gehirn immer mehr schrumpfte und schließlich abstarb. Alexander wurde vier Monate alt, dann hörte sein Herz auf zu schlagen. Der kleine Junge konnte nicht mehr gerettet werden.

Gerichtsurteil:
Am 02. Februar 2011 wurden die Eltern von Alexander freigesprochen. Es konnte nicht zweifelsfrei und mit der erforderlichen Sicherheit geklärt werden, wer von beiden die Nerven verloren hatte. Rechtlich wurde angeblich korrekt entschieden, moralisch dagegen ist der Freispruch kaum nachvollziehbar.

Der Plan von Alexanders Eltern lautete: Der eine schützt den anderen.

Alexanders Vater verstrickte sich in widersprüchliche Aussagen. Zwar gab er im Prozess zu, dass er seinen Sohn geschüttelt hat, jedoch nur, weil er ihn bereits schwer atmend in seinem Kinderbettchen vorgefunden hatte und in Panik geriet.

Alexanders Mutter hingegen sagte aus, sie hätte zur Tatzeit Wäsche im Keller aufgehangen, was das Gericht allerdings als unglaubwürdig einstufe. Vielmehr vermutete man, dass sie Alexander geschüttelt habe und danach in den Keller geflüchtet sei. Denn sie war es auch, die für eine Abtreibung war.

Der Vorsitzende Richter weiß, dass es eine unpopuläre Entscheidung ist, die er verkünden muss. Und er weist gleich am Anfang seiner Urteilsbegründung darauf hin, dass dies „kein Freispruch aus erwiesener Unschuld ist“. Denn einer, ob es nun die 21-Jährige ist oder ihr 24-jähriger Ehemann, trägt die schwerste Schuld, die ein Mensch auf sich nehmen kann: das eigene Kind getötet zu haben. Und der andere deckt diese Schuld, schützt den Partner vor der Strafe. Nach den Prinzipien unseres Rechtsstaates – im Zweifel für den Angeklagten – bleibe dem Gericht keine andere Wahl, wie der Vorsitzende Richter betonte, als das Ehepaar freizusprechen. Was auch die Staatsanwaltschaft zuvor beantragt hatte. Quelle: waz.m.derwesten.de, 02.02.2011

Zum Urteil äußerte sich der Richter wie folgt:

“Die Öffentlichkeit muss ertragen, dass – wenn man nicht weiß, wer der Täter ist – beide Angeklagte zwingend freizusprechen sind.” Quelle: express.de, 02.02.2011

Hier stellt sich die Frage, wer nun dafür sorgt und sicher stellt, dass Alexanders Eltern ihre Tat nicht an einem weiteren Kind wiederholen können.

http://schutzlos-wehrlos.de/alexander/


Lina †, geboren 2010 mit 7 Monaten geschüttelt

Das ist die Geschichte von Lina. Lina starb am 04. Mai 2011 mit gerade einmal sieben Monaten an den Folgen eines Schütteltraumas mit Hirneinblutungen.

Lina lebte mit ihren Eltern und ihrem fünfjährigen Bruder in einer Erdgeschosswohnung in der Altstadt von Lüneburg. Linas Mutter war noch minderjährig, als sie das erste Mal schwanger wurde. Damals, als Linas Bruder geboren wurde, erhielt die junge Familie Unterstützung vom Jugendamt. Diese Unterstützung wurde dann im September 2007 seitens des Jugendamtes eingestellt. Linas Mutter war inzwischen auch volljährig und die Prognose des Jugendamtes fiel positiv aus. Der zuständige Fachbereichsleiter äußerte sich dahingehend, dass die Familie „gefestigt“ gewesen sei und alle gesteckten Ziele erreicht worden sind. Es hätte keine Kindeswohlgefährdung bestanden.

Auch als Linas Mutter 2009 nach Lüneburg zog besuchte noch einmal eine Mitarbeiterin des Jugendamtes die kleine Familie um eventuelle Veränderungen zu bemerken. Aber auch bei diesem Besuch war kein weiterer Hilfebedarf zu erkennen, die Verhältnisse seien stabil gewesen. Eine erneute Schwangerschaft habe zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht vorgelegen.

Linas Mutter beginnt sogar eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau, welche sie dann allerdings abbricht, da sie mit ihrem Töchterchen Lina Ende 2009/Anfang 2010 schwanger wird.

Bis zum 23. April 2011, dem Ostersamstag, war die Familie wohl völlig unscheinbar und dem Jugendamt nicht negativ aufgefallen. Am Abend feierte die Familie auch noch mit Freunden im lauschigen Hinterhof eine Grillparty.

Was danach passierte, wissen nur Linas Eltern. Lina wurde noch am selben Abend schwer verletzt von einem Notarzt aus der Wohnung ihrer Eltern geholt und in ein Lüneburger Krankenhaus gebracht. Auf Grund der lebensgefährlichen Verletzungen informierten die behandelnden Ärzte die Polizei. Anschließend wurde die kleine Lina in das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf verlegt. Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft gab an, dass nicht zu erwarten sei, dass der Säugling überleben wird.

Am 04. Mai 2011 hörte Linas Herz auf zu schlagen. Die Ärzte konnten nichts mehr für Lina tun.

Die anschließende Obduktion ergab, dass Lina an den Folgen eines Schütteltraumas mit Hirnblutungen gestorben ist. Auch wurden Hinweise auf frühere Knochenbrüche festgestellt, wodurch vorhergende Misshandlungen nicht auszuschließen waren.

Linas Bruder wurde bis auf weiteres in einer Pflegefamilie untergebracht.

In den anschließenden Vernehmungen behaupten die Eltern jedoch weiterhin standhaft, ihnen seien Linas Verletzungen unerklärlich.

Gerichtsurteil:
Der Tod der kleinen Lina bleibt ohne juristische Folgen. Im Januar 2012 stellte die Staatsanwaltschaft Lüneburg das Ermittlungsverfahren gegen die Eltern ein. Es wurde zwar durch einen Gutachter bestätigt, dass Lina an den Folgen eines Schütteltraumas verstorben ist, jedoch konnte nicht nachgewiesen werden, wer von den Eltern Lina die tödlichen Verletzungen zugefügt hatte.

 http://schutzlos-wehrlos.de/lina/


Ronja †, geboren 2010 mit 9 Wochen geschüttelt

Das ist die Geschichte der kleinen Ronja. Mit nur neun Wochen starb sie im Juni 2010 an den Folgen einer Hirnblutung, ausgelöst durch ein Schütteltrauma.

Ronja wohnte mit ihren Eltern in Lüneburg. Ihre Mutter hatte bereits drei Kinder aus vorhergenden Beziehungen, welche aber nicht bei ihr lebten. Auch Ronja lebte anfangs nicht bei ihren Eltern, da das Jugendamt Ronjas Mutter für psychisch überfordert hielt. Aus diesem Grund bemühte sich das Jugendamt Ronjas Vater das alleinige Sorgerecht zu übertragen und sich selbst das Aufenhaltsrecht, also den Verbleib von Ronja in der Obhut des Jugendamtes, vorzubehalten.

“Wir hatten große Zweifel an der Erziehungsfähigkeit der Mutter”, sagte Lüneburgs Jugendamtsleiterin Marlis Otte dem Abendblatt. “Sie hat bereits drei Kinder, die nicht bei ihr leben.” Ronjas Vater aber sei zuvor nicht auffällig gewesen. “Es gab keinen Anlass, ihm Erziehungsunfähigkeit zu unterstellen”.Quelle: Hamburger Abendblatt, 14.08.2010

Am 27. Mai 2010 fand bzgl. dem Verbleib von Ronja und der Sorgerechtsfrage eine mündliche Anhörung vor Gericht in Anwesenheit des Jugendamtes, des Verfahrensbeistandes und Ronjas Eltern statt.

Das Gericht lehnte in dieser Anhörung die Anträge, das alleinige Sorgerecht Ronjas Vater zu übertragen und das Aufenhaltsbestimmungsrecht für Ronja noch für sechs Monate beim Jugendamt zu belassen, ab.

Das Gericht sah sich gezwungen, den Vorrang der öffentlichen Hilfen wie z.B. eine Familienaktivierung vor dem Entzug der Sorge zu stellen. Diese Entscheidung verstehe sich als Ausdruck des verfassungsrechtlichen Schutzes von Ehe und Familie aus den Erfahrungen eines Unrechtsstaates, in dem der Staat wesentlichen Einfluss auf die Erziehung der Kinder nehmen wollte. Auch eine teilweise Entziehung des Sorgerechts durch Belassung des Aufenthaltsbestimmungsrechts hielt das Gericht nicht für verhältnismäßig und dem Geiste der getroffenen Vereinbarung widersprechend. Quelle: Dein Niedersachen, 21.06.2010

Diese Familienaktivierung bedeutete eine Rückführung von Ronja in die Obhut ihrer Eltern unter der Bedingung, dass ihrer Familie eine sozialpädagogische Hilfe für 20 Stunden pro Woche und eine Rufbereitschaft rund um die Uhr zur Verfügung steht.

Der Sozialdezernent äußerte sich zur Entscheidung des Gerichts wie folgt:

Nicht die Eltern müssen beweisen, dass sie ein Kind erziehen können, sondern das Jugendamt, dass sie es nicht können.” Der Antrag, das Kind in eine Pflegefamilie zu geben, wäre “aussichtslos” gewesen, betont er. Quelle: Hamburger Abendblatt, 14.08.2010

Noch eine Woche vor Ronjas Tod soll ein Betreuer bei der Familie vor Ort gewesen sein und nichts ungewöhnliches festgestellt haben. Im Gegenteil, der Betreuer hatte einen „recht guten Eindruck“ von der Familie.

Einige Tage nach dem Besuch des Familienhelfers ist Ronjas Vater mit seiner kleinen Tochter allein. Angeblich hörte Ronja nach dem Trinken auf zu atmen. Daraufhin verständigt er einen Betreuer von Jugendamt.

Die anschließende Obduktion ergab, Ronja ist an einer Hirnblutung in Folge eines Schütteltraumas verstorben.

Ronjas Vater gibt zu, dass er seine kleine Tochter einige Tage vor ihrem Tod kräftig geschüttelt hat, nachdem sie sich verschluckt habe.

Gegen Ronjas Eltern wurden Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet. Eine vorläufige Festnahme erfolgte jedoch nicht.

Währenddessen stand auch das Gericht in Lüneburg in der Kritik der regionalen Medien, da dieses den Vorgaben des Jugendamtes in der Anhörung nicht gefolgt sei. Der Tod von Ronja wäre vermeidbar gewesen, wenn das Gericht den Anträgen des Jugendamtes statt gegeben hätte und Ronja vorerst nicht wieder ihren Eltern übergeben worden wäre.

Diese Anschuldigung wies das Gericht fassungslos zurück, es habe den Tod von Ronja nicht mitzuverantworten.

Mit dieser sachlichen Klarstellung rufen die beteiligten Lüneburger Gerichte zu einer sachlichen Erörterung aller sich stellenden Fragen auf, die zur Vermeidung weiterer tragischer Fälle dienen können. Die Sachlage ist nicht abschließend geklärt, aber schon jetzt zeigt sich ein Dilemma. Denn ein vollständiger Ausschluss jeden Risikos ist nicht möglich. Bei tragischen Todesfällen von Säuglingen und Kindern wird immer wieder die Frage gestellt werden müssen, ob sie vermeidbar gewesen wären. Umso mehr gilt dies, wenn das Jugendamt bereits über mögliche Probleme informiert ist. Trotz des großen Aufschreis der Öffentlichkeit dürfen nicht die Rechte und Pflichten der Eltern und das Wohl des Kindes aus den Augen verloren werden. Oberstes Ziel bei zweifelhaften Fällen muss der Schutz des Kindes sein. Aber ebenso muss es oberstes Ziel sein, das Kind bei seinen Eltern aufwachsen zu lassen.Quelle: Dein Niedersachen, 21.06.2010

Gerichtsurteil:
Die Staatsanwaltschaft in Lüneburg stellte die Ermittlungen gegen Ronjas Eltern im Feburar 2011 ein. Obwohl ein Gutachten bestätigte, dass „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ ein vom Schütteltrauma verursachter Atemstillstand zum Tod von Ronja führte, konnten der Tathergang nicht mehr rekonstruiert und damit weder Ronjas Mutter noch ihrem Vater nachgewiesen werden.

http://schutzlos-wehrlos.de/ronja/


Daniel †, geboren 2010 mit 11 Wochen geschüttelt und misshandelt

Im Februar 2010 wird Daniel geboren aber seinem Leben und damit auch seiner Geschichte wird schon elf Wochen später ein jähes Ende gesetzt. Am 16. Mai 2010 stirbt Daniel mit nur zweieinhalb Monaten an einem Schädel-Hirn-Trauma, ausgelöst durch den Lebensgefährten seiner Mutter.

Einige Zeit vor der Geburt von Daniel, im Sommer 2009, lernte seine Mutter ihren neuen Lebensgefährten via Internet kennen. Obwohl Daniel nicht sein leibliches Kind war, war er bei dessen Geburt anwesend und wollte ihn wie sein eigenes Kind großziehen. Anfang Mai 2010 bezog das Paar eine gemeinsame Wohnung in Oberweißbach (Landkreis Saalfeld-Rudolstadt).

Zwischen dem Paar kam es jedoch vermehrt zu Streitigkeiten. Zudem sei er auch ihr gegenüber mindestens drei Mal gewalttätig gewesen, so Daniels Mutter im späteren Prozess. Als sie schwanger war, so sagte sie, habe ihr Lebensgefährte sie gewürgt.

Gegenüber Daniel aber habe sich ihr Lebensgefährte stets „normal“ verhalten. Je nach Laune habe er sich um Daniel bemüht und sie vertraute ihm. Lediglich wenn er Daniel zu dessen Belustigung in die Luft warf, ermahnte sie ihren Lebensgefährten.

Dabei begannen doch schon wenige Wochen nach der Geburt von Daniel die Misshandlungen durch seinen Ziehvater, immer dann, wenn seine Mutter außer Haus war. Mindestens zwei Wochen lang hat er Daniel wiederholt gequält und ihm dabei unsagbare Schmerzen zugefügt. Er schlug ihm mit der Hand oder mit der Faust auf den Unterarm, dabei wurde die Speiche gebrochen. Auch warf er ihn mit voller Wucht auf den Boden, wodurch Daniel einen Bruch am Schädel- und Schläfenbein erlitt. Neben Rippenbrüchen hatte Daniel auch unzählige blaue Flecken im Gesicht. Seiner Mutter fielen diese zwar auf, jedoch lies sie sich von ihrem Lebensgefährten mit der Aussage „ihm sei schwarz vor Augen geworden und Daniel sei heruntergefallen“ jedes Mal aufs neue täuschen und suchte auch keinen Arzt auf.

Am 14. Mai 2010 erledigte Daniels Mutter einige Besorgungen, während ihr Lebensgefährte daheim auf Daniel aupassen sollte. Nach einem Anruf durch ihren Lebensgefährten, in dem er ihr mitteilte, ihm sei wieder einmal schwarz vor Augen geworden und Daniel sei auf eine Bettkante und anschließend auf den Boden gefallen, kehrte sie in die Wohnung zurück. Daniel hatte blaue Flecken auf der Stirn und Schwellungen unter seinen Augen. Doch wieder nahm sie von einem Arztbesuch Abstand, weil sie, wie sie sagte, Angst vor ihrem Lebensgefährten hatte.

In der Nacht zum 16. Mai 2010 ging Daniels Mutter spät zu Bett. Ihr Lebensgefährte hingegen wollte noch „zocken“ und sich dabei auch, falls nötig, um Daniel kümmern. Am frühen Morgen weckte er sie und sagte ihr, dass kurz bevor er sich auch ins Bett legen wollte, Daniel wach geworden sei. Er habe ihn aufs Sofa gelegt, weil er vorher noch schnell eine rauchen wollte und anschließend sei er mit Daniel in die Küche gegangen um den Wasserkocher zu befüllen. Auf einmal sei ihm wieder schwarz vor Augen geworden und er habe das Bewusstsein verloren. Als er wieder zu sich kam, hätte Daniel bewusstlos auf dem Boden gelegen. Mit einer Herzdruckmassage und kräftigem Schütteln wollt er dessen Leben retten.

Tatsächliche aber hatte er Daniel gepackt, heftig geschüttelt und warf ihn dann auf den gefließten Fußboden in der Küche.

Daniels Mutter erzählte rückblickend unter Tränen, sie habe ihren kleinen Sohn in den Arm genommen, seinen Herzschlag gehört und in seine Wiege gelegt.

Dann verständigte sie den Notarzt, doch die Hilfe kam zu spät. Die eintreffenden Ärzte konnten nur noch Daniels Tod feststellen.

Welches Martyrium Daniel hinter sich hatte, zeigte die anschließende Obduktion auf:

  • Schläfen- und Scheitelbein waren gebrochen, ebenso wie Elle und Speiche eines Armes sowie drei seiner Rippen
  • ein gerissenes Lippenbändchen
  • Hämatome im Gesicht
  • ein Schütteltrauma, welches schließlich zu seinem Tod führte

Die ermittelnden Beamten konfrontierten den Lebensgefährten mit den Obduktionsergebnissen und das diese nicht im Einklang mit seinen Schilderungen stehen können. Sodann kam er in Untersuchungshaft und gegen ihn wurde Anklage wegen Totschlag und Misshandlung Schutzbefohlener erhoben.

Gerichtsurteil:
Im Prozess äußerte sich der Lebensgefährte vorerst nicht zu den Vorwürfen, erzählte dafür aber freizügig von seiner doch schwierigen Kindheit wobei er diese auch zeitweise im Heim verbrachte. Erst zum Abschluss der Beweisaufnahme gab er an, Daniel geschüttelt zu haben, weil dieser „komisch geatmet“ habe. Das Gericht sah dies als Teilgeständnis an.

Auch wurde die Aussage des Lebensgefährten, er habe gesundheitliche Probleme und hätte dadurch immer wieder Schwindelanfälle, durch eine Spezialuntersuchung widerlegt.

Der Richter stellte hierzu auch klar, dass diese Verletzungen allein durch stumpfe Gewalt verursacht worden sind.

Hinzu kam, dass der Lebensgefährte in der Untersuchungshaft gegenüber seinen Mitgefangenen verlauten ließ, die Version mit den Schwindelanfällen und dem Hinfallen, hätte er sich nur als Verteidigung ausgedacht, weil er auch Daniels Mutter die Schuld anlasten wollte.

Dem Richter entzog es sich aber auch seinem Verständnis, dass Daniels Mutter keinen Arzt augesucht habe.

Staatsanwaltschaft und Nebenklage forderten dreizehn Jahre Haft für den Lebensgefährten wohingegen die Verteidigung nur auf sechs Jahre plädierte.

Im März 2011 wurde der Lebensgefährte wegen Misshandlung Schutzbefohlenerer in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und in Tateinheit mit Körperverletzung mit Todesfolge zu zehn Jahren Haft verurteilt.

http://schutzlos-wehrlos.de/daniel-4/


 Jolina †, geboren 2007 mit 3 Jahren geschüttelt

Das ist die Geschichte von Jolina. Sie starb im Alter von nur drei Jahren am 27. November 2010 an massiven Kopfverletzungen, verursacht durch den Lebensgefährten der Mutter.

Jolinas Mutter lernte Ihren neuen Freund im Internet kennen und zieht mit ihrer kleinen Tochter schon nach kurzer Zeit zu ihm nach Brühl bei Köln. Der 28-jährige ist wegen Betruges und Drogendelikten vorbestraft. Eine Ex-Freundin des neuen Lebensgefährten – mit der er ein weiteres Kind (heute 11 Jahre alt) hat – sagte später im Zeugenstand aus, dass dieser sie in der Beziehung auf Grund seiner krankhaften Eifersucht terrorisiert haben soll. Immer wieder schlug und bedrohte er seine damalige Partnerin. Unter anderem drohte er in der Schwangerschaft, ihr das Baby aus dem Bauch zu treten.

Und auch Jolinas 26-jährige Mutter soll laut Aussage von Jolinas leiblichen Vater Drogenprobleme haben. Das Jugendamt wurde schon mehrfach wegen Vernachlässigungen eingeschaltet und auch kurz nachdem sie die gemeinsame Wohnung in Brühl bei Köln bezogen haben, stattet ein Mitarbeiter der kleinen Familie einen Besuch ab. Eine Gefahr für Jolina sieht der Jugendamtsmitarbeiter in dem neuen Lebensgefährten, einem kräftigen Bodybuilder, nicht.

Am 25. November 2010 geht es Jolina bereits den ganzen Tag schlecht, sie muss sich mehrfach übergeben und ihre Mutter geht mit ihr zum Arzt. Am Abend geht die Mutter außer Haus und lässt ihre kranke Tochter mit dem Lebensgefährten alleine. Spät abends wird die kleine Jolina erneut von Ihrer Übelkeit geplagt und wacht in ihrem Kinderbettchen auf. Weinend ruft sie den 28-jährigen um Hilfe, jedoch ist dieser offenbar von dem quengelnden Kind so genervt, dass er das kranke zierliche Mädchen packt und es so heftig schüttelt, dass der kleine Kopf mehrfach gegen die Dachschräge über ihrem Bett schlägt.

Jolina wird noch in der Nacht in eine Kinderklinik eingeliefert, jedoch erliegt sie zwei Tage später ihren Verletzungen. Die Mitarbeiter der Klinik vermuten eine vorangegangene Misshandlung des Kindes und verständigen die Polizei. Diese nehmen den Lebensgefährten der Mutter fest und er gesteht, das Kind geschüttelt zu haben. Allerdings gibt er zu Protokoll, Jolina sei ohnmächtig geworden, als er sie aus dem Bett nahm und er habe sie in Panik leicht geschüttelt.

In der Verhandlung widerlegt der zuständige Rechtsmediziner jedoch diese Aussage. Die massiven Hirnverletzungen können nur durch sehr starkes Schütteln verursacht worden sein. Auch wurden bei der Obduktion alte Knochenbrüche festgestellt, die nie behandelt worden waren. Es lässt sich nur erahnen, wie lange Jolina vor ihrem Tot tatsächlich schon misshandelt wurde.

Gerichtsurteil:
Am 26. Dezember 2011 wird der Lebensgefährte der Mutter wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu sieben Jahren Haft verurteilt. Die Anklage lautete ursprünglich Totschlag, jedoch konnte ihm das Gericht nicht nachweisen, den Tod der kleinen Jolina billigend in Kauf genommen zu haben.

http://schutzlos-wehrlos.de/jolina/


Erik †, geboren 2008 mit 20 Monaten geschüttelt

Das ist die Geschichte des kleinen Erik aus Wolgast in Mecklenburg-Vorpommern. Erik wurde nur zwanzig Monate alt.

Der 48-jährige Freund der Mutter sollte am 14. Mai 2010 auf Erik und seine dreijährige Schwester aufpassen. Eriks Mutter hatte sich mit einer Freundin verabredet um mit ihr die Abendstunden in einer Disko zu verbringen. Dies missfiel dem Lebensgefährten, denn beide hatten sich zuvor schon einmal zeitweise getrennt.

Was an jendem Abend geschah, in denen Erik, seine Schwester und der Lebensgefährte alleine waren, lässt sich nicht mehr rekonsturieren. Jedoch fühlte sich der Lebensgefährte, welcher durch die Beziehungsprobleme bereits gestresst war, offensichtlich durch den quengelnden Erik überfordert. Um Erik ruhig zu stellen schüttelte er ihn massiv. Dabei schlug Eriks Kopf gegen einen Gegenstand.

Daraufhin rief der Lebensgefährte selbst den Notarzt. Erik befand sich bereits in aktuter Lebensgefahr mit Atem- und Herzstillstand. Er wurde umgehend ins Uni-Klinikum Geifswald eingeliefert. Neben den schweren Blutergüssen am Körper stellten die Ärzte bei Erik einen klaffenden Bruch fest, der seinen gesamten Schädel durchzog, was eine Schwellung seines Gehirns zur Folge hatte.

Vier Tage später, am 18. Mai 2010 führte dieses Hirnödem schließlich zum Hirntod und die Ärzte schalteten die Geräte, welche Eriks Körper noch am Leben gehalten hatten, ab.

Der Lebensgefährte wurde als Tatverdächtiger festgenommen und Ermittlungen wegen Körperverletzung mit Todesfolge oder aber Totschlags wurden aufgenommen. Der Tatvorwurf sollte aber erst nach dem gerichtsmedizinischen Gutachten festgelegt werden. Jedoch sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Stralsund, dass, laut Gesamtbild der Verletzungen, ein Sturz des Kindes ausgeschlossen werden könne. Alles deute vielmehr darauf hin, dass das Kind getreten, geschlagen und geschüttelt worden ist.

Bekannt wurde später auch, dass das Jugendamt seit Januar 2010, durch einen Hinweis aus dem Umfeld, bereits in Kontakt mit der Familie stand. Die Sozialarbeiter sind aber zu dem Entschluss gekommen, dass die Mutter keine unterstützende Hilfe bei der Erziehung ihrer Kinder benötigte. Sie wurde lediglich in ein Projekt eingebunden, welches junge Mütter auf den Weg in das Arbeitsleben unterstützen sollte. Das Jugendamt wurde aber auch im Januar 2010 darüber informiert, dass Erik wegen einer angeblichen Hirnhautentzündung in einem Krankenhaus in Behandlung gewesen sei. Schon hier hatte der behandelnde Kinderarzt den Verdacht, dass Erik womöglich misshandelt worden ist. Dieser Verdacht bestätigte sich jedoch nicht. Im Prozess gegen den Lebensgefährten, sagte aber der rechtsmedizinische Gutachter aus, dass es sich bei den Verletzungen aus Januar 2010 um ein Schütteltrauma gehandelt haben könnte.

Nach dem Tod von Erik hat sich dessen Mutter zusammen mit ihrer dreijährigen Tochter freiwillig in eine offene Mutter-Kind-Einrichtung begeben.

Gerichtsurteil:
Am 18. November 2010 wurde der Lebensgefährte zu einer Haftstrafe von vier Jahren und sechs Monaten wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt.

Die Staatsanwaltschaft hatte auf Totschlag und einer Haftstrafe von acht Jahren plädiert wohingegen die Verteidigung natürlich einen Freispruch forderte. Nach dem Urteil wollten Staatsanwaltschaft wie auch Verteidigung die Möglichkeiten einer Revision prüfen.

In der Urteilsbegründung sagte die Richterin, es hätte keinen Zweifel daran gegeben, dass der Lebensgefährte den kleinen Erik massiv geschüttelt und dabei mit dem Kopf gegen einen Gegenstand gestoßen habe.

Im Verfahren gab der Lebensgefährte aber an, dass Erik ihm aus den Händen geglitten und mit dem Kopf auf dem Fußboden geprallt sei. Die Verteidigung stützte die Aussage mit dem rechtsmedizinischen Gutachten, welches einen Sturz nicht vollends ausgeschlossen hatte.

Allerdings hielt das Gericht und auch die Staatsanwaltschaft die Aussage des Lebensgefährten nicht für glaubhaft, da er den vermeintlichen Sturz auch erst angab, als eben dieses rechtsmedizinische Gutachten die Möglichkeit eines Sturzes nicht gänzlich ausgeschlossen hatte.

Auch die Rekonstruktion des Tathergangs durch den Lebensgefährten hielt das Gericht für nicht glaubwürdig. In dem Video habe er eine Puppe herunterschleudern müssen, um ein ähnliches Verletzungsbild wie bei Erik zu verursachen.

Letztlich konnte der konkrete Tatablauf aber nicht mehr ermittelt werden.

“Wir wissen, dass es an diesem Abend einen ganz massiven Schlag gegen den Kopf des Kindes gegeben hat. Wir wissen aber nicht, ob der Kopf ungewollt oder vorsätzlich gegen einen Gegenstand geschlagen wurde”, sagte die Richterin. Deshalb sei eine Verurteilung wegen Totschlags nicht in Betracht gekommen, diese würde eine vorsätzliche Tötungsabsicht voraussetzen. Quelle: Hamburger Abendblatt, 18.11.2010

http://schutzlos-wehrlos.de/erik/


Dennis †, geboren 2007 mit 6 Wochen geschüttelt

Dies ist die Geschichte von Dennis. Der Säugling erlag im Alter von sechseinhalb Wochen seinen schweren Hirnverletzungen, zugefügt von seinem Vater.

Dennis wurde am 09.12.2007 im evangelischen Waldkrankenhaus Spandau geboren. Seine Geburt war schwer, doch der kleine Junge kam gesund zur Welt. Für seine Eltern war er das zweite Kind. Die gemeinsame Tochter, die 2003 geboren wurde, kam direkt nach der Geburt in eine Pflegefamilie. Das Paar kannten sich seit frühester Schulzeit, gingen seit der neunten Klasse miteinander. Die Mutter war arbeits- und ausbildungslos, der Vater arbeitete als Medikamentenkurier. Sie bewohnten eine kleine Wohnung in Spandau. Dennis war ihr Wunschkind.
Bereits im Krankenhaus wurde beobachte, dass die Mutter zwar liebevoll und fürsorglich mit ihrem Sohn umging, dennoch konnte eine Überforderung der Mutter im Alltag vermutet werden und so informierte das Pflegepersonal das Gesundheitsamt. Eine Hebamme bot ihre Hilfe und die Nachbetreuung an und kam sechsmal in die Wohnung der Familie.

Die zuständige Sozialarbeiterin wird im Verlauf der Wochen immer wieder erfolgreich von den Eltern abgewimmelt. Zu vereinbarten Terminen sind sie entweder in Eile oder öffnen die Tür nicht. Am 17.01.2008 trifft sie die Familie dann an, sieht einen bekleideten und gepflegt wirkenden Säugling in einer Wohnung, die auf keinerlei Vernachlässigung oder Überforderung hindeutet. Interessiert stellt die Mutter Fragen, was sie gegen das häufige Schreien Ihres Sohnes unternehmen könne und kündigt an, bereits am nächsten Tag einen Termin zur anstehenden U3 gemacht zu haben. Diesen Termin nimmt sie nicht wahr. Die Sozialarbeiterin sieht keinen Handlungsbedarf und schließt den Fall ab. Später gibt die Mutter an, dass sie fremde Hilfe stets abgelehnt habe. Zu schlecht seien ihre Erfahrungen mit den Ämtern gewesen, zudem habe sie beweisen wollen, dass sie es allein schaffen kann.

In all dieser Zeit wird Dennis bereits von seinem Vater misshandelt. Immer wieder schlägt er ihm kräftig auf den Rücken, wenn er kein Bäuerchen macht. Malträtiert ihn so lang mit den Fäusten den Bauch, bis er aufhört zu schreien, weil er keine Luft mehr bekam.

Die Eltern stritten sich täglich, schrien sich laut an. Das war das Einzige, was die Nachbarn über die Familie wussten. Dass in dem Haushalt ein Säugling wohnt, wussten nur wenige. Sie geben nach der Tat an, mehrfach darüber nachgedacht zu haben, das Jugendamt zu informieren.
Am 23.01.2008 kam es dann zum entscheidenden Übergriff auf Dennis. Der Junge weinte wieder einmal laut, als der Vater ihn aus seinem Bettchen nahm und so heftig schüttelte, dass es zu schwersten Hirnverletzungen kommt. Dennis hört auf zu schreien und läuft blau an. Währenddessen schminkt seine Mutter sich im Badezimmer.

Der Vater setzt um 10.38h einen Notruf ab, in dem er angibt, dass es seinem Sohn sehr schlecht gehe. Den eintreffenden Rettungskräften kommt er mit dem bewusstlosen Dennis auf dem Arm im Treppenhaus entgegen. Sie beginnen eine sofortige Reanimation und fahren mit ihm in sein Geburtskrankenhaus nach Spandau. Die Reanimation bleibt ohne Erfolg und so müssen die Ärzte um 11.10h seinen Tod feststellen. Es wird eine umgehende eine Obduktion veranlasst. Diese ergibt wenig später, dass Dennis seinen schweren Hirnverletzungen erlegen ist. Zudem finden die Gerichtsmediziner diverse Hämatome im Bauch – und Rückenbereich des Jungen, sowie Hirnblutungen, die bereits mehrere Wochen alt sind und von Dennis Martyrium zeugen.

Die Eltern werden umgehend verhaftet.

In der folgenden Verhandlung lässt der Vater über seinen Anwalt ein Geständnis verlesen, in dem er sämtliche Misshandlungen seines Sohnes zugibt. Er habe die Nerven verloren, weil das Kind ständig schrie. Die Mutter äußerte sich wie folgt:

„Ihr Freund war ihr wichtig. “Ich hatte Angst, ihn zu verlieren”, sagt (Name entfernt,Mutter). Und so hörte sie nicht hin, wenn ihr Baby im Nebenzimmer der Spandauer Wohnung schrie. Hörte weg, wenn es “klatschte”, weil ihr Freund dem Säugling auf Bauch und Rücken schlug. “Ich hab das nicht so wahrgenommen”, sagt die 22-Jährige. “Ich habe gedacht, das wird schon wieder und mir eingeredet, dass er dem Kind nicht weh tut.”“
Quelle:  Berliner Zeitung vom 06.09.2008
„Sie hört die Schmerzensschreie des Söhnchens, denkt nur: „Nicht schon wieder…!“ Das erzählte sie in der Vernehmung. (Name entfernt, Mutter) damals weiter: „Wenn (Name entfernt, Vater) so gestresst war, habe ich immer die Schnauze gehalten…““
Quelle: Bild Zeitung vom 21.04.2009

Ihr Freund habe seit Längerem eine Affäre mit einer Internetbekanntschaft gehabt und sie seien darüber in Streit geraten. Zudem haben beiden Alkohol und Drogen (hauptsächlich Amphetamine) genommen und seien dann im Rausch gewesen.

Gerichtsurteil:
Das Urteil, dass das zuständige Gericht am 29.09.2008 spricht, verurteilt den Vater zu sechs Jahren Haft wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Die Mutter wird aufgrund von Beihilfe zur Körperverletzung mit Todesfolge zu drei Jahren Haft verurteilt. Des Drogenkonsums und ihrer Persönlichkeitsdefizite sei es geschuldet, dass beide nur vermindert schuldfähig wären.

Der Richter fand in der Urteilsverkündung deutliche Worte für die Tat der Eltern, hält diese für zutiefst verabscheuungswürdig und betont, dass die Strafe im unteren Rahmen des eigentlich Möglichen angesetzt wurde. An die Mutter gewandt sagte er, dass sie ihren Sohn nicht geschützt habe, weil ihr die Beziehung zum Vater wichtiger gewesen sei.

http://schutzlos-wehrlos.de/dennis-2/


Leon †, geboren 2010 mit 3 Monaten geschüttelt

Dies ist die Geschichte des kleinen Leon. Er durfte nur drei Monate alt werden. Niemand wurde jemals für den gewaltsamen Tod des kleinen Babys zur Rechenschaft gezogen.

Leon lebte mit seinen Eltern in Leipzig. Schon kurz nach der Geburt scheint der Vater zunehmend überfordert zu sein mit seiner Vaterrolle. Freunden gegenüber habe er sich beklagt, seine Partnerin – Leons Mutter – würde sich ausschließlich um das Baby, nicht aber um die Beziehung zu Leons Vater bemühen. Er hegte auf Grund dessen eifersüchtige Gefühle gegenüber seinem Sohn.

Am Nachmittag des 14. Dezember 2010 kommt es offenbar zum Drama. Leon werden so starke Verletzungen zugeführt, dass sein kleiner Körper nach zwei Tagen auf der Intensivstation den Kampf verliert. Leon stirbt an den Folgen der Misshandlung. Bei einer anschließend durchgeführten Obduktion stellen die Mediziner ältere Verletzungen, wie Knochenbrüche und Hämatome fest. Leon wurde offenbar schon früher misshandelt.

Es kommt zur Anklage gegen Leons Vater. Im Prozess streitet er, der an diesem Nachmittag mit Leon allein zuhause war, die Vorwürfe, seinen Sohn geschüttelt und ihm damit den tödlichen Venenabriss zugefügt zu haben, ab. Er berichtet, dass seine Frau, nachdem sie den Säugling an diesem Tag gefüttert und in sein Bettchen gelegt habe, spontan das Haus verlassen hätte, um einzukaufen. Er habe seinen Sohn wenig später leblos in seinem Kinderbett aufgefunden.

Leons Mutter erlitt im Prozess einen Nervenzusammenbruch, woraufhin die Verhandlungen vertagt werden musste. In einem zweiten Anlauf versuchte das Gericht 13 Tage lang festzustellen, wie es zu den schweren Verletzungen an Leons kleinem Körper kam. Letztendlich konnte weder dem Vater noch der Mutter zweifelsfrei nachgewiesen werden, ihren Sohn misshandelt zu haben. Ein Jahr nach dem Tod des kleinen Jungen wird sein Vater aus Mangel an Beweisen freigesprochen, zu einem Prozess gegen die Mutter kommt es erst gar nicht.

Das Leben von Leon endete bevor es überhaupt richtig begonnen hatte und niemand wird jemals dafür Verantwortung übernehmen müssen.

http://schutzlos-wehrlos.de/leon-2/


Philip †, geboren 2011 mit 10 Monaten geschüttelt und misshandelt

Dies ist die Geschichte von Philip aus Hiddenhausen. Philip wurde im Alter von nur zehn Monaten von seinem Vater so schwer misshandelt, dass er kurz darauf im Krankenhaus verstarb.

Der Vater war in der Nacht zum 20. November 2011 mit Philip alleine in der Wohnung von Philips Mutter. Diese hatte sich nach kurzer Zeit schon von Philips Vater getrennt und wollte den Jungen zunächst alleine großziehen. Um dem Kind aber ein intaktes Familienleben geben zu können, hatte sie wieder Kontakt zu Philips Vater aufgenommen. Zuvor hatte sie beim Jugendamt um Hilfe bei der Erziehung des Kindes gebeten, was aber nicht ungewöhnlich ist.

Die Mutter sorgte gut für Philip, was auch das Jugendamt bestätigte. Es gab keine Anhaltspunkte für eine Gefährdung des Kindeswohls, und die Junge Frau war bereits volljährig, so dass es letzten Endes ihre eigene Entscheidung war.

Diese verhängnisvolle Nacht war die erste, in welcher der Vater wieder bei seinem Sohn übernachten sollte. Die Mutter war an diesem Abend bei einer Freundin, hielt aber über E-Mail Kontakt zum Vater, da sie sich um den Jungen sorgte. Der Vater versicherte ihr aber, dass es dem Kleinen gut gehe. Der Vater hatte an diesem Abend in der Wohnung zusammen mit einem Arbeitskollegen erhebliche Mengen Alkohol getrunken, darunter auch eine Flasche 54-prozentigen Rum. Ein späteres Gutachten ergab auch einen Alkoholwert von 1,7 Promille.

Durch Philips Schreien wurde der Vater in der Nacht geweckt, und als sich der Junge nicht beruhigen liess, kam es schließlich zu der schrecklichen Tat. Philip wurde von seinem Vater erst zweimal vom Bett auf den Steinfussboden geworfen, dann mit der Faust in den Bauch geschlagen, geschüttelt und sogar gebissen. Das hatte unter anderem eine massive Hirnblutung zu Folge, in deren Verlauf der Junge später im Krankenhaus an Herzversagen starb.

Der Arbeitskollege im Nebenzimmer hatte wohl von all dem nichts mitbekommen, er wurde von dem Vater mit den Worten „Mein Kind atmet nicht mehr“ geweckt. Der Vater rief dann auch um 3:00 Uhr den Notarzt.

Die Notärzte vor Ort und im Krankenhaus bemerkten sofort die schweren Verletzungen des kleinen Jungen und verständigten noch in der Nacht die Polizei, die beide Männer vorläufig festnahm. Der Kollege kam aber wieder frei, da er definitiv nichts mit der Tat zu tun hatte. Der Vater versuchte zunächst, das Ganze als Unglücksfall darzustellen, gab aber später in einer zweiten Vernehmung, mit dem Ergebnis der Obduktion konfrontiert, zumindest die Schläge zu.

Gerichtsurteil:
Bei der Verhandlung am 21. Juni 2012 vor dem Bielefelder Schwurgericht wurde der Vater zu einer Haftstrafe von zehn Jahren und der Unterbringung in einer Entzugsanstalt verurteilt. In der Verhandlung wurde neben den Zeugen auch der Psychatrische Gutachter gehört, welcher dem Angeklagten eine „möglicherweise eingeschränkte Steuerungsfähigkeit“ bescheinigte, jedoch nicht hervorgerufen durch den Alkoholkonsum. Vielmehr sei der Angeklagte, der mehrfach einschlägig vorbestraft ist, ein impulsiv-aggresiv handelnder Mensch, der „Kriminalität als eingelaufenes Verhaltensmuster zeigt“. Auch die Version des Unglücksfalls konnte durch medizinische Gutachten endgültig widerlegt werden.

Die Mutter und ihre Anwältin hatten als Nebenkläger zwar Lebenslange Haft gefordert, aufgrund der genannten eingeschränkten Steuerungsfähigkeit kam aber eine Verurteilung wegen Mordes aus niederen Beweggründen nicht in Frage, so der Richter in der Urteilsbegründung.

„Keine Strafe erweckt Philip wieder zum Leben“ , sagte der Richter abschliessend zur Mutter des Jungen, und empfahl ihr eine Therapie, um das Geschehene verarbeiten zu können. Quelle: nw-news, 22.06.2012

http://schutzlos-wehrlos.de/philip/


 Edin †, geboren 2013 mit 4 Monaten geschüttelt

Das ist die Geschichte von Edin aus Erfurt. Er starb im Alter von vier Monaten, Anfang Oktober 2013, an schweren Gehirnverletzungen.

An einem Samstag, es war der 28. September 2013 wollten Edins Mutter und ihr Lebensgefährte den Abend in einer Spielhalle verbringen. Edin ließen sie in der Wohnung zurück. Um den kleinen Jungen aber hören zu können, wurde das Babyfon mit dem Handy der Mutter verbunden. In den Morgenstunden fuhr der Lebensgefährte mit dem Fahrrad zurück in die Wohnung um neues Geld zum spielen zu holen. Als Edin anfing zu weinen, gab der Lebensgefährte ihm seine Flasche und legte ihn sodann wieder ab. Edin weinte noch immer und so packte der Lebensgefährte den Jungen am Bauch und fing an ihn mehrfach zu schütteln. Anschließend wandte er sich hilfesuchend an Nachbarn von wo aus auch ein Notruf erfolgte. Als der Notarzt in der Wohnung eintraf, war der kleine Edin bereits klinisch tot.

Im Krankenhaus wurde ein schweres Schädel-Hirn-Trauma diagnostiziert. Zwei Tage später, am 01. Oktober 2013, starb Edin an den Folgen seiner schweren Gehirnverletzungen.

Der Lebensgefährte bestritt jegliche Gewaltanwendung gegenüber Edin. Seinen Ausführungen zufolge habe er den Jungen gefüttert und zurück in sein Bett gelegt. Als er „komische“ Geräusche vernahm, hätte er eine Nachbarin aufgesucht, welche dann den Notarzt informierte.

Laut Rechtsmedizinerin sind die Verletzungen durch ein gewaltsames und heftiges Schütteln über einen Zeitraum von fünf bis zehn Sekunden hervorgerufen worden. Edin müsse zwischen zehn und 30 Mal geschüttelt worden sein. Ein epileptischer Anfall des kleinen Jungen aber auch der Drogenkonsum der Mutter während der Schwangerschaft wurde als Todesursache ausgeschlossen. Die Obduktion ergab zweifelsfrei, dass Edin ein Schütteltrauma erlitten habe.

Auch eine Beeinträchtigung des Lebensgefährten durch Drogen zur Tatzeit konnte ausgeschlossen werden. Der Lebensgefährte hatte angegeben, einen Tag vor der Tat Cystal eingenommen zu haben.

Gerichtsurteil:
Am 14. Juli 2014 begann der Prozess um den Tod des kleinen Edin vor dem Landgericht Erfurt. Der Lebensgefährte musste sich wegen Körperverletzung mit Todesfolge verantworten.

Die Staatsanwaltschaft forderte eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren und drei Monaten. Die Verteidigung plädierte auf einen Freispruch. Letzendlich wurde der Lebensgefährte Ende August 2014 zu sechs Jahren Haft verurteilt.

Der Vorsitzende Richter begründete dieses Urteil damit, dass der Lebensgefährte bis zur Tat ein guter Vater gewesen sei, Edin wie sein leibliches Kind angenommen hätte und nur einige Minunten versagt habe. Das Gericht wertete dies als spontane Fehlhandlung. Allerdings, als Vater eines bereits sechsjährigen Kindes, hätte ihm bekannt sein müssen, wie man mit einem Baby umzugehen hat.

Jedoch sei der Lebensgefährte auch nicht vorbestraft gewesen und habe sich nach der Tat auch umgehend um Hilfe bemüht. Immer noch sei er tief betroffen von Edins Tod.

Das Urteil war noch nicht rechtskräftig und bis zum Haftantritt darf/durfte der Lebensgefährte auf freien Fuss bleiben.

Ob eine Revision erfolgte ist nicht bekannt.

http://schutzlos-wehrlos.de/edin/


Amanda-Jolie †, geboren 2011 mit 8 Wochen geschüttelt

Diese Geschichte erzählt von Amanda-Jolie aus Magdeburg-Stadtfeld. Ihr Leben endete nach acht Wochen, am 24. Februar 2012.

Amanda-Jolies Mutter war Mitte zwanzig, von Beruf, wie sie selbst angab, „nix“ und hatte bereits zwei Kinder. Das jüngste Kind lebte beim Vater, das älteste Kind, wegen einer geistigen Behinderung, im Pflegeheim. Dieses Kind sei kein Wunschkind gewesen, wie sie später betonte.

Auf einer Messe lernte sie ihren neuen Lebensgefährten kennen. Dieser litt, seit seiner Jugend, an einer schizophrenen Psychose, die sich unter anderem durch zwanghafte Züge und das Hören von Stimmen zeigte. Einen Schulabschluss schaffte er nicht, ebenso konnte er keine Ausbildung vorweisen und kam des Öfteren mit dem Gesetz in Konflikt. Sein Leben finanzierte er als Diskjockey und mit Aushilfstätigkeiten.

Schon kurz nachdem sich beide kennengelernt hatten, wurde die Mutter mit Amanda-Jolie ungewollt schwanger, ihr neuer Lebensgefährte zog bei ihr ein und sie verlobten sich.

Der Start ins Leben war für Amanda-Jolie nicht einfach. Sie erblickte als Früchen, Ende 2011, das Licht der Welt und verbrachte ihre ersten vier Lebenswochen im Krankenhaus.

Nachdem Amanda-Jolie endlich nach Hause durfte, gab es in der Beziehung immer wieder Spannungen und Probleme. Beide waren aber leider nicht im Stande, ihre Konflikte zu lösen. Von Anfang an hatte die Mutter auch kaum Interesse an ihrer kleinen Tochter. Ihr Lebensgefährte hingegen sorgte sich liebevoll um Amanda-Jolie. Laut der Mutter war er viel zu lieb zu ihr. Er kümmerte sich um alles, geriet dabei aber immer mehr unter Druck.

In der Nacht, am 24. Februar 2012, kam es zwischen dem Paar zu einem heftigem Streit. In der besagten Nacht sollte sich die Mutter um Amanda-Jolie kümmern. Sie hielt sich jedoch nicht an die Absprache, verschlief das Nachtfläschchen ihrer kleinen Tochter. Gegen Mitternacht stand also der Lebensgefährte auf, um das Fläschchen für Amanda-Jolie zuzubereiten. Es folgten Vorwürfe seitens des Lebensgefährten, worauf Amanda-Jolies Mutter beleidigend wurde. In Rage nahm er sodann ein Teelichtbehälter und warf diesen der Mutter an den Hinterkopf, sodass sich diese eine blutende Wunde zuzog. Anschließend verließ er das Zimmer. Als er zurück kam, war er immer noch wütend, hatte sich kaum beruhigt. Mit der flachen Hand schlug er auf den Kopf von Amanda-Jolies Mutter ein. Da diese befürchtete, es würden weitere Übergriffe auf sie erfolgen, flüchtete sie regelrecht aus der gemeinsamen Wohnung. Ihre kleine Tochter ließ sie zurück.

Der Lebensgefährte war nun vollends außer sich, griff nach Amanda-Jolie und schüttelte sie so heftig, dass ihr kleines Köpfchen hin und her schlug. Dabei schrie er, dass er ihre Mutter hasse und diese an allem schuld sei.

Als seine kleine Tochter nur noch röchelte und rot anlief, kam er zur Besinnung und alarmierte den Notarzt. Doch für Amanda-Jolie kam jede Hilfe zu spät, sie hatte ein tödliches Schütteltrauma erlitten.

Die anschließende Obduktion ergab, dass so gut wie alle Brückenvenen gerissen waren. Zudem wies ihr Schädel vier Brüche auf.

In einem Verhör gab der Lebensgefährte zu, gegenüber seiner Tochter gewalttätig gewesen zu sein. Zunächst wurde gegen ihn Haftbefehl erlassen, allerdings später unter Auflagen und weil keine Fluchtgefahr bestünde, zurückgenommen. Hiergegen legte der Oberstaatsanwalt Beschwerde ein. Der Lebensgefährte wurde erneut festgenommen und einem Haftrichter vorgeführt. Dieser entschied, dass der Haftbefehl aufgrund von Körperverletzung mit Todesfolge vollzogen wird und der Lebensgefährte in Untersuchungshaft zu überführen ist.

Gerichtsurteil:
Die Staatsanwaltschaft warf dem Lebensgefährten zweifache Körperverletzung sowie Körperverletzung mit Todesfolge vor. Im Prozess, um den Tod von Amanda-Jolie, zeigten sich Mutter und Lebensgefährte absolut unbeherrscht. Dem Lebensgefährten liefen die Tränen, er ließ seiner Verzweiflung freien Lauf. Die Mutter aber reagierte erbost, verweigerte sogar die Aussage, sodass ihr Zwangsmittel angedroht wurden. Aber mehr als „Weiß nicht“, „Kann sein“, „Ich sage jetzt gar nichts mehr“ oder „Ist mir zu blöd hier“, war von ihr nicht zu vernehmen.

Schließlich wurde der Lebensgefährte im Juli 2012 wegen Schuldunfähig freigesprochen und eine dauerhafte Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus wurde angeordnet.

Das Gericht begründete dies damit, dass der Lebensgefährte seine Tochter geliebt habe, aber, als Folge seiner Schizophrenie, seine Handlungen in der Tatnacht nicht habe steuern können. Es wäre damit zu rechnen, dass weitere ähnliche Taten zu erwarten sind. Aus diesem Grund müsse der Lebensgefährte therapiert werden und dürfe vorher nicht aus der psychiatrischen Einrichtung entlassen werden.

 http://schutzlos-wehrlos.de/amandajolie/


Noel †, geboren 2013 mit 10 Monaten geschüttelt

Diese Geschichte erzählt von Noel. Im Alter von nur zehn Monaten verstarb er, am 09. Dezember 2013, an den Folgen schwerer Hirnverletzungen.

Kurz nachdem sich Noels Eltern kennengelernt hatten, kündigte sich auch schon eine Schwangerschaft an. Schließlich wurden Noel und seine Zwillingsschwester geboren. Da der Vater arbeitslos war, kümmerte er sich weitestgehend um die Versorgung der Kinder, sodass die Mutter ihrer Berufstätigkeit nachgehen konnte.

Zehn Monate später, am Abend des 04. Dezember 2013, war der Vater wieder einmal mit seinen beiden Kindern alleine in der Wohnung in Runkel/Limburg. Die Mutter besuchte währenddessen einen Weihnachtsmarkt in Würzburg.

Der Vater schilderte später den Verlauf des Tages als nicht außergewöhnlich. Der einzig besondere Vorfall sei der zahnärztliche Eingriff, bei welchem ihm zwei Weisheitszähne entfernt worden waren, gewesen. Aber danach habe er sich um seine Kinder, wie gewohnt, gekümmert und diese seien auch ganz lieb gewesen.

Gegen 18.30Uhr habe er Noel und seine Schwester gefüttert. Noel sei während des Trinkens eingeschlafen und er habe ihn sodann im Wohnzimmer auf der Couch abgelegt. Daraufhin sei er mit seiner Tochter in die Küche gegangen, um auch ihr das Fläschchen zuzubereiten. Einige Minuten später wäre er ins Wohnzimmer zurückgekehrt und sah Noel regungslos auf dem Boden liegen. Er nahm ihn mit beiden Händen unter den Achseln. Noels Kopf wäre nach hinten geklappt gewesen, sein Körper erschlafft und seine Augen waren verdreht. Aus Panik, so erläuterte er, schüttelte er seinen Sohn zwei bis dreimal moderat, um ihn wieder wach zu machen. Da dies misslang informierte er den Notarzt, welcher auch zehn Minuten später in der Wohnung eintraf. Noel wurde in eine Wiesbadener Klinik eingeliefert. Er kam nicht wieder zu Bewusstsein und verstarb, am 09. Dezember 2013, am sogenannten Hirntod, als Folge eines Schütteltraumas.

Weil der Mediziner bei der Obduktion nur noch ein breimassiges Hirn in Noels Kopf vorfand, kamen ihm Zweifel im Hinblick auf den vom Vater geschilderten Tathergang.

Am 19. Dezember 2013 kam Noels Vater in Untersuchungshaft.

Gerichtsurteil:
Im Gerichtssaal teilte Noels Mutter ihrem Lebensgefährten mit, dass sie sich von ihm getrennt habe. Jedoch belastete sie ihren Lebensgefährten nicht, im Gegenteil, sie sagte aus, dass dieser ein sehr liebevoller Vater gewesen sei.

Die Verteidigung schenkte den Ausführungen des Vaters zum Tathergang glauben und argumentierte im Prozess, dass der Vater sein Kind geliebt habe und lediglich seine Sorgfaltspflicht verletzt und sich der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht habe. Ebenso sei keine Motivation des Vaters erkennbar gewesen, seinen Sohn zu misshandeln, schon gar kein Tötungsvorsatz zu erkennen gewesen.

Um zu untermauern, dass der Vater Noel nicht töten, sondern vielmehr retten wollte und das Schütteln eine, unter Panik, lebensrettende Maßnahme gewesen sein soll, lag alle Hoffnung der Verteidigung in den Ausführungen zweier weiterer Sachverständiger. Zuvor hatten bereits zwei andere Gutachter Stellung genommen und die Schilderungen des Vaters als nicht glaubhaft eingestuft.

Auch die beiden neuen Sachverständigen kamen zu einem vernichtenden, übereinstimmenden Ergebnis. Noels Verletzungen zeugten von schwerster Gewalteinwirkung. Diese könnten nicht von einem Sturz von einer 35 cm hohen Couch auf einen Teppich herrühren.

Auch als die Richterin den Vater fragte, warum er ein zehn Monate altes Krabbelkind auf einer Couch liegen gelassen habe, sagte der Vater, er hätte nicht gedacht, dass Noel von der Couch fallen könnte.

Das Gericht kam letztendlich zu der Überzeugung, dass der Vater seinen kleinen Sohn „gewaltsam gefügig“ machen wollte, weil Noel nicht trinken oder aber schlafen wollte. Er griff zu rabiaten Mitteln, nahm den kleinen Körper seinen Sohnes in beide Hände und schüttelte diesen. Noels Kopf schlug unkontrolliert hin und her. In der Verhandlung äußerte sich einer der Gutachter noch dahingehend, dass Noels Verletzungen vergleichbar schwer wie nach einem Flugzeugabsturz gewesen wären.

Trotz allem plädierte die Verteidigung auf fahrlässige Tötung. Zudem auf Freispruch, denn laut Argumentation wäre der Vater schon ausreichend durch den Tod seinen Sohnes bestraft worden.

Im August 2014 wurde Noels Vater durch das Landgericht Limburg wegen Totschlags zu einer Haftstrafe von siebeneinhalb Jahren verurteilt.

Warum der Vater seinen Sohn schüttelte, konnte in dem Prozess nicht geklärt werden. Die Richterin vermutete, dass er wahrscheinlich mit der Versorgung seiner Kinder überfordert war, dies aber nicht zugeben wollte.

Gegen dieses Urteil legte die Verteidigung Revision ein. Ob der Revision stattgegeben worden ist, konnte nicht ermittelt werden.

Am Rande der Hauptverhandlung wurden auch die Verletzungen von Noels Zwillingsschwester angesprochen. Ende 2013 wurde das kleine Mädchen untersucht und dabei wurden auch bei ihr Verletzungen festgestellt. Wahrscheinlich, so führten die Eltern an, habe sich Noels Schwester die Schädelfraktur und Rippenbrüche in einer Kindertagesstätte zugezogen. Anders könnten sie sich diese nicht erklären. Das Mädchen wurde in einer Pflegefamilie untergebracht. Sodann wurden gesonderte Ermittlungen gegen beide Eltern eingeleitet.

http://schutzlos-wehrlos.de/noel/